„Im Anfang“ ist zu Ende

Was besetzungstechnisch durch einige Erkrankungen höchst nervenaufreibend begann, entwickelte sich zu einem wunderbaren und höchst erfolgreichen Projekt: Bachs Chaconne in einer Fassung mit Choralzitaten und Günther Bialas‘ „Im Anfang“. Der unten und über den Link nachzulesenden Rezension des Schwarzwälder Boten sind hinzuzufügen:

  • Die Namen unserer drei hervorragenden Sopran-Solistinnen: Marina Szudra – Monika Tschuschke – Beatrice Greisinger. Herzlichen Dank und größtes Kompliment!
  • Die Namen unserer Instrumentalsolisten in Heidenheim an der Brenz: Jeanne Vogt (Violine) und Jan Martin Chrost (Orgel). Letzterer war auch ein liebevoll sorgender und perfekt organisierter Gastgeber, beide boten Musik vom Feinsten!
  • Der Dank für die Einladung nach Rottweil zum Jubiläumsjahrgang der „Sommersprossen – Ingo Goritzki leistet dort seit 50 Jahren Phantastisches und hat uns zugetraut, diesem Jahrgang die Krone aufzusetzen – wir ziehen den Hut und danken von Herzen!
  • Die perfekte Organisation und so ungemein liebevolle Betreuung in Rottweil durch Jutta Schwab! Liebe Jutta, es ist gut, ein Chorprojekt professionell betreut zu wissen – noch besser ist es, zu wissen, dass da eine Freundin ist, die hilft und ermöglicht, wo und wie immer sie kann!

Nun aber hat der Schwarzwälder Bote das Wort und wir spinnen neue Gedanken und Projekte!

Foto: Schwarzwälder Bote

http://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.rottweil-grosse-werke-kroenen-den-abschluss.3ce0fb7d-c476-4823-8cc9-41e2c0a19184.html

Schwarzwälder Bote – 17.7.2017

Große Werke krönten den Abschluss des Jubiläums zum 50-jährigen Bestehen des Klassikfestivals Sommersprossen: Johann Sebastian Bachs berühmte Chaconne aus der Partita d-Moll und das Oratorium „Im Anfang“, die Schöpfungsgeschichte von Günter Bialas in der Übertragung durch Martin Buber.

Rottweil (hf). Die Chaconne von Bach wurde in einer Bearbeitung für Violine solo und Chorstimmen aufgeführt. Das verdeutlicht den Entstehungshintergrund, den die Musikwissenschaftlerin Helga Thoene nachgewiesen hat. In der Chaconne hatte Bach Choralzitate um Tod und Auferstehung verborgen, in denen er seinen Schmerz um den plötzlichen, frühen Tod seiner Frau verarbeitet hat. Die Chaconne als fünften Satz an seine zweite Partita angehängt gelte als „die Krönung einer Partita in Form einer Chaconne“, wie der Solist Kolja Lessing einführte.

Zu Beginn sang der Kammerchor „vox animata“ unter der Leitung von Robert Göstl die in der Chaconne enthaltenen Choralsätze. In zurückgenommenem Duktus trugen die Chorsänger die sich um Tod und Erlösung kreisenden Choräle vor, ehe die Chaconne in der bearbeiteten Fassung mit Kolja Lessing (Violine solo) mit Rebecca Schmitt (Sopran), Jonathan Wahl (Altus), Simon Fendler (Tenor) und Wolfgang Staudinger (Bariton) zur Aufführung kam. Der volle Klang von Lessings Violine füllte den Kirchenraum aus. Die zitierenden Solostimmen folgten ihr zurückhaltend, den Verlust beklagend. In Crescendi umsang die Sopranstimme äußerst zart die sich in jubilierende Höhen spielende Geige. Die hochempfindliche Intonation zwischen Rezitierenden und Violine konnte nach dem Taktvorhalt der Geige ausgeglichen werden.

Zwischen den Choralzitaten brachte Kolja Lessing den unerschöpflichen Reichtum dieser von Bach geschaffenen Chaconne zum Ausdruck: Sein Spiel in singende Höhen, mit raschesten Läufen und weichen Arpeggio-Griffen erschien wie eine tiefe menschliche Wendung nach Innen. Lessing vermochte diesen „unglaublichen Kosmos“ – wie er eingangs Brahms zitierte – berührender und kunstvoller zum Klingen bringen.

 

Verkündigung der Orgel

Zu einem geschlossenen, intonationssicheren Klangkörper wuchs der Gesamtchor in dem großen Werk „Im Anfang“ für sechstimmigen gemischten Chor, drei Echostimmen und Orgelmeditationen auf. Günter Bialas hatte die Schöpfungsgeschichte 1961 geschaffen und darin die „Neuigkeit und Kraft der Sprache“ von Martin Bubers Übersetzung in den Vordergrund gestellt. Neben dem Chor unterstrichen sieben Orgelmeditationen (Sebastian Küchler-Blessing) die „Verkündigung“ der Schöpfungstage. An den Geschehnissen der einzelnen Schöpfungstage orientiert interpretierte der Chor in feingezogen langen Linien den Beginn des Schöpfungswerks. In höchster Stimmlage – noch übertönt in großer Klarheit vom ersten Sopran der drei Echostimmen – wurde die Entstehung des Lichtes am ersten Tag vorgetragen. Die sensiblen disharmonischen Stimmdiskrepanzen wurden von allen Sängern in klarsten Harmonieeinheiten aufgelöst. In den jeweils vor den sieben Tagen eingefügten Orgelmeditationen reflektierte Sebastian Küchler-Blessing die Schöpfungstaten mit hoher Präsenz und vielfältiger Registrierung der Orgel. Endete der erste Tag mit dumpfen Bässen und hell stakkati aufblitzenden Obertönen noch in einem langgezogenen Einzelton, wurden die folgenden Tage immer klangvoller zur Versinnbildlichung der Schöpfungsvielfalt.

Bialas verwendet in seinem Werk eine ausgesprochen hohe, monophone Tonlage. Das war seiner Absicht geschuldet, das Wort, die Sprache Bubers zu realisieren. Diesem Ansinnen entsprach der Chor: In großer Konzentration und Stimmensicherheit entwarf er unter der einfühlenden Leitung von Robert Göstl die sieben Schöpfungstage wie ein dichtestes Klangkonvolut in den Raum der Predigerkirche.

Ein tief beeindruckender „Anfang“ ließ so – symbolisch verstanden – das Schöpfungswerk zum Jubiläum des Klassikfestivals Sommersprossen ganz im Sinne seines Indendanten Ingo Goritzki zu einem neuen „Aufbruch“ wachsen.

 

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